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Wie alles begann …

Wie bin ich darauf gekommen mit Indigo zu färben? 
Es begann, als wir bei der Planung einer Bestellung von Bettwäsche, die Idee hatten doch mal Farbe ins Programm zu nehmen. Bisher hatten wir nur weiße Bettwäsche angeboten.

Wir besorgten uns also Pantone Textil Farbmuster. Wir bestellten fünf verschieden Blautöne, denn unsere Tochter wollte gern blaue Bettwäsche haben. Die Blautöne tragen spannende Namen wie Baltic Sea, Alaskan Blue, Cool Blue und Azure Blue. Aber wie entscheidet man zwischen fünf verschieden Blautönen, die sich nur in Nuancen unterscheiden. Ein 10×11 cm Stoffstück ist eben auch keine ganze Bettwäsche, man brauch schon etwas Fantasie um sich vorzustellen wie das quasi in Groß aussieht. Nach längerem hin und her entschieden wir uns für eine Farbe. Wir wollten nur noch eine Nacht drüber schlafen und es dann unseren Produzenten mitteilen. Aber … da kam dann der Zweifel, ob das so eine gute Idee ist. Wir würden quasi unseren gesamten Bestand von weiß auf blau umstellen. Weiß Bettwäsche war aber unsere Idee für unser Label und sollte auch die Basis bleiben. Also entschieden wir uns dagegen.  

Nun war da nur noch ein kleines Problem. Unsere Tochter wünschte sich so sehr, dass sie blaue Bettwäsche bekommt. Wer Kinder hat oder auch nur kennt der weiß, dass man manche Wünsche auch erfüllen muss. Aber kein Problem wir färben einfach selber ihre Bettwäsche. Aber mit Färbemittel für die Waschmaschine wäre das zu einfach. Es sollte auch schließlich was Besonderes sein und vor allem auch nachhaltig, wer weiß was da alles so drin ist. Dabei fiel mir ein, dass ich von einem interessanten Start-up gelesen hatte, welches seine Bettwäsche mit Aizome (der japanische Begriff für Indigo Färberei) färbt. Das klang sehr, sehr spannend.

Indigo ist der Farbstoff der Jeans, allerdings wird dafür heute nur synthetisches Indigo verwendet. In Japan allerdings gibt es das traditionelle und hoch angesehene Handwerk der Indigofärben das Aizome genannt wird. Gelesen hatten ich, dass natürliche Indigo besondere Eigenschaften hätte, es soll den Stoff besser haltbar machen, aber verleihe ihm wohl auch heilende und antibakterielle Eigenschaften. Genau deshalb hätten die Samurai unter ihrer Rüstung Indigo Stoffe getragen, um bei kleinen Verletzungen Infektionen zu verhindern und die Heilung zu verbessern. Eben das machte sich die erwähnte Bettwäschenmarke zu eigen und wirbt mit besonders schonenden und heilenden Eigenschaften für die Haut. Aber vor allem ist das Färben mit Indigo sehr schonend und eben natürlich. Indigo ist einer der ältesten natürlichen Farbstoffe überhaupt und wurde schon weltweit vor Jahrtausenden verwendet (Was ist Indigo, Aizome und Shibori?). Das ist schon was Besonderes und Japan fand ich schon immer irgendwie faszinierend. Wir waren total begeistert und wollten das unbedingt mal ausprobieren.

Nach weiteren Recherchen fanden ich heraus, dass mit Indigo zu färben auch gar nicht so schwer ist und relativ einfach zu Hause gemacht werden kann. Gleichzeitig entdeckte ich eine weitere spannende japanische Tradition nämlich das Shibori! Wer das nicht kennt, wird, wenn er das sieht, wohl erstmal an Batik denken. Batik ist sehr ähnlich, wird meist mit Wachs gemacht und ist wie Shibori auch eine Reservetechnik. Das heißt, Bereiche vom Stoff werden „blockiert“, sodass dort beim Färben kein Farbstoff rankommt und ein Muster entsteht. Beim Shibori werden dafür recht unterschiedliche Methoden verwendet, es wird geknotet, gequetscht, vernäht, abgebunden, gewickelt und gefaltet. Das ergibt dann wunderschöne Muster auf dem Stoff, ein paar Beispiele könnt ihr hier bei den Bildern sehen. Ursprünglich sei das wohl ein Weg gewesen mit dem sich arme Leute ihre Kleidung schöner und Abwechslungsreicher gestalten haben. In Japan wurde daraus natürlich ein Meisterhandwerk, die Muster reichen von den einfachen, die durch Verknoten und quetschen entstehen, bis zu komplexen Mustern, die durch höchst aufwändige Stickereien entstehen. Wie so viele traditionelle Handwerke wird es leider immer seltener betrieben. Dafür gibt es mittlerweile ein paar Experten die Bücher und auch Kurse anbieten und auch zeigen wie man Shibori selber macht.

Nachdem ich ein paar Bücher zum Färben mit natürlichem Indigo und den verschiedenen Shibori Techniken besorgt hatte, bestellten ich auch gleich Indigo Pigmente und die nötigen Zusatzstoffe zum Färben. Mein erstes Projekt waren ein paar Leinen-Geschirrtücher mit verschiedenen einfachen Shibori Mustern. Für den ersten Versuch war Ergebnis überraschen gut, (auch wenn es aus jetziger Sicht wirklich bescheiden war ;)). Ich waren Feuer und Flamme. Als Nächstes kamen T-Shirts, Einkaufsbeutel und dann schließlich Bettwäsche. Wir waren tatsächlich etwas skeptisch, ob wir, nachdem wir nun schon ein paar Jahre nur noch weiße Bettwäsche in unser Schlafzimmer gelassen hatten jetzt doch etwas Farbe vertragen würden. Aber die Muster und Farbverläufe waren einfach Toll und dieses Blau hat etwas wunderschönes, fast magisches. Das Indigo Blau in seinen vielen verschiedenen Tönen spricht einfach die Seele an. Es reicht von einem schönem hellblau wie ein Morgenhimmel bis zu einem tiefen dunkel Blau wie das Meer. Einfach Unglaublich. Und die Shibori Muster haben etwas Organisches und Wildes aber können auch gleichzeitig etwas strukturiert und geordnet wirken, vielleicht ein bisschen wie gebändigtes Feuer oder wie Wasser das sich seinen Weg bahnt. Oder wie ein japanischer Garten.

Nicht lange und ich hatten schon einige Bettwäschen gefärbt mit verschiedenen Mustern, aber auch einfarbige, ein wunderschönes Hellblau, was genau so war wie es unsere Tochter wollte. Und es passt hervorragend in unser Schlafzimmer, eine absolute Bereicherung. Das Blau und die Muster strahlen einfach totale Entspannung und Ruhe aus. Wie es so oft ist, wenn man gerade etwas tolles Neues für sich entdeckt hat, will man es teilen und so beschlossen wir es auch für unsere Kunden als handgemachte Einzelstücke anzubieten.

Aber wie nachhaltig und gesund ist das Färben mit natürlichen Indigo eigentlich wirklich? Nach weiteren Recherchen war ich sicher, im Vergleich zur Färbung mit synthetischen Farbstoffen, die oft mit hochgiftigen Chemikalien verarbeitet werden, ist das Färben mit natürlichem Indigo absolut harmlos. Es gibt etliche Verfahren die Komplett auf natürlichen Hilfsstoffen basiert, wie es seit Jahrhunderten praktiziert wird. Man kennt vielleicht, das vom „Blaumachen“ der alten Färbereien in Europa, die mit Urin färbten. Aber es gibt auch Verfahren mit fermentiertem Obst und etwas gelöschtem Kalk. Im Prinzip benötigt man etwas, das den PH Wert erhöht, also eine Lauge. Und dann noch einen Stoff der das oxidierte blaue Indigo reduziert (d.h. Sauerstoff entziehen). Im reduzierte Zustand ist Indigo gelb und wasserlöslich und in der Lage sich quasi auf die Faser zu legen. Kommt das dann an die Luft wird das Indigo wieder Blau und verbindet sich mit dem Stoff. Es legt sich quasi wie eine Schutzschicht um die Fasern. Möglichst kontrolliert und effektiv geht es mit zwei Salzen, dem Natriumdithionit (in Entfärbern enthalten) und Natriumhydroxit (wird auch zur Herstellung von Laugengebäck verwendet). Da auch ich nur so viel Ahnung von Chemie habe, wie man halt, nach 13 Schuljahren hat (vielleicht ein bisschen mehr als die meisten, da ich ein totaler Nerd bin ;)), musste ich mich da auch erstmal schlaumachen. Aber nach Rücksprache mit Indigo Händlern und unserem Auditor (der unsere GOTS und Demeter Zertifizierung macht) stellte sich heraus, dass es tatsächlich ein recht schonendes und umweltfreundliches Verfahren ist.

Wir ließen unseren Indigo Färbeprozess dann auch gleich zertifizieren nach Demeter und GOTS, da es nur ein paar Formalien zu klären gab. Aber selbst das dauerte wie so vieles eben Länger (ca. ein halbes Jahr) und so gab es uns genug Zeit, um sich einzuarbeiten und viel auszuprobieren, damit wir uns sicher sein konnten, dass die Ergebnisse einigermaßen reproduzierbar sind. Denn beim Shibori und Aizome Färben ist das so eine Sache, es gibt sehr viele Faktoren die das Färben und das Muster beeinflussen und so weiß man nie genau was man bekommt. Das ist aber auch ein großer Reiz an der Geschichte. Man wird immer wieder überrascht.

Nun ist Shibori und Aizome nicht nur mein Hobby und eine neue Leidenschaft geworden, sondern vielleicht auch ein bisschen Berufung. Mit jedem Projekt lernen ich etwas Neues und arbeite mich Schritt für Schritt in weitere Techniken ein. In meinem Blog will ich euch mehr von diesen spannenden japanischen Handwerk und von meinen Erfahrungen beim Erlernen berichten. Und vielleicht kann ich euch ja auch dazu inspirieren es selbst mal zu probieren.

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