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Anleitung: Mit Indigo färben – Rezept für Baumwolle

Mit Indigo färben: einfach und zuverlässig

Hier möchte ich euch ein Rezept für das Färben von Baumwolle mit Indigo vorstellen. Kennengelernt habe ich dieses Rezept im Buch „Indigo“ von Kerstin Neumüller und Douglas Luhanko, ein sehr schönes und empfehlenswertes Buch. Mit diesem Rezept lässt sich sehr kontrolliert mit Färben und es ist von der Handhabung recht einfach.
 

Dieses Rezept verwendet Natriumhydroxid (Salz der Natronlauge) und Natriumdithionit (in Entfärbern enthalten). Kein Sorge das klingt schlimmer als es ist, es sind einfach Salze die beim richtigen Umgang ziemlich harmlos sind.  Natriumhydroxid nutzen wir um den PH Wert zu erhöhen. Natriumdithionit reduziert, d.h. entzieht dem Indigo Sauerstoff. Zusammen ermöglicht das dem Indigo sich an die Faser zu legen und an der Luft (Sauerstoff) eine blaue Farbe zu erzeugen.

Dennoch eine kleine Warnung: Natriumhydroxid bzw. hoch konzentrierte Natronlauge kann starke Verätzungen der Haut und Augen verursachen. Verätzungsgefahr besteht ab einem PH Wert von 12, wir arbeiten hier höchsten mit einem PH Wert von 10.  Natriumdithionit kann sich selbst entzünden und muss daher in einem luftdicht verschlossenen Behälter gelagert werden. Zum Schutz auf jeden Fall Schutzbrille, Handschuhe und Maske verwenden. Geschlossene Schuhe und feste Kleidung sind ebenfalls zu empfehlen.

 

Vorbereitungen für das Färben

Zuerst erstellen wir eine Stammküppe, in der wir das Indigo erstmal reduzieren (Sauerstoff entziehen). Diese Stammküppe geben wir dann in die eigentliche Färbeküppe. Die Menge hängt dann davon ab welchen Farbton wir erziehen möchten. Vorbereitend sollten die Baumwolltextilien mindesten einmal gewaschen sein, da möglicherweise noch Appreturen aus der Herstellung vorhanden sein können. Dann kann das Textil mit z.B. Shibori Techniken gestaltet werden. Vor dem Färben sollte der Stoff dann mindesten 1 Stunde in Wasser eingeweicht werden. 

 
Man kann das Natriumdithionit, wenn man es nicht einzeln kaufen möchte, auch mit der entsprechenden Menge Entfärber austauschen. Auf der Packung sollte draufstehen wie viel Natriumdithionit im Entfärber enthalten ist.
 

Anmerkungen zum Färben mit Indigo:

  • Der PH Wert sollte immer zwischen 8 und 10 liegen. Bei einem PH Wert über 11 kann der Stoff Schaden nehmen. Bei geringerem PH Wert kann die Färbe Zeit verlängert werden.
  • Farbgänge beeinflussen die Tiefe des Farbtons. Für eine gute Farbbeständigkeit sollte man mindesten 4 Gänge machen. Für besonders dunkle Töne kann man den Färbevorgang 10-20 oder auch öfter wiederholen.

Materialien die benötigt werden:

  • 500ml Glass mit Decken
  • Feinwaage
  • Löffel
  • Edelstahl Gefäß (z.B. Messbecher)
  • Gesichtsmaske
  • Gummihandschuhe
  • Sicherheitsbrille
  • Messbecher
  • Thermometer
  • PH Messstreifen (Besser PH Messgerät)
  • 15 Liter Färbegefäß (Eimer oder Topf)
 

Zutaten: Indigo Stammküppe

  • 10 g Indigo
  • Ethylalkohol (Ethanol)
  • 180 ml kaltes Wasser
  • 3,75 g Natriumhydroxid
  • 10 g Natriumdithionit
 

Zutaten: Indigo Färbeküppe

  • 10 Liter Wasser 20-24 °C
  • 2 Plättchen Gelatine
  • 100 ml warmes Wasser
  • 200g Kochsalz
  • 0,5 Natriumhydroxid
  • 2-3g Natriumdithionit
  • Stammküppe – 10 ml für helle Farbtöne / 50 ml für mittlere Farbtöne / 250ml für dunkle Farbtöne

Anleitung: Stammküppe herstellen

  1. Schutzausrüstung anlegen!
  2. Indigo im Glass mit etwas Ethanol zu einer Paste vermischen.
  3. Im Edelstahl Gefäß das Wasser geben und das Natriumhydroxid geben, um die Natronlauge herzustellen. Dabei gut umrühren.
    Achtung: durch die Reaktion kann das Gefäß heiß werden, daher auf einer hitzebeständigen Unterlage arbeiten. 
  4. Die Natronlauge nun zur Indigo Paste ins Glas geben und nochmal ordentlich umrühren.
  5. Das Natriumdithionit ins Glas streuen. Jetzt nur noch vorsichtig umrühren, um möglichst wenig Sauerstoff wieder einzuführen.
  6. Das Glas mit dem Deckel verschließen und in einem Wasserbad mit 50-55°C für 30-60 Minuten stehen lassen. Gelegentlich kann umgerührt werden. Die dunkelblaue Flüssigkeit sollte langsam braun und dann Grünlich werden. Je nach verwendetem Indigo kann die Flüssigkeit aber Trüb bleiben.

Anleitung: Färbeküppe vorbereiten

  1. Schutzausrüstung anlegen!
  2. 10 Liter in das Färbegefäß geben.
  3. In einem extra Gefäß die Gelatine mit ca 100 ml Wasser vollständig auflösen, dabei ordentlich verrühren.
  4. Salz in das Wasser im Färbegefäß geben und gut umrühren.
  5. Natriumhydroxid ins Färbegefäß geben und umrühren.
  6. Natriumdithionit ins Färbegefäß geben und nur noch vorsichtig umrühren, um möglichst kein Sauerstoff wieder einzuführen.
  7. Die gewünschte Menge an Stammküppe vorsichtig hinzugeben.
  8. Die Färbeküppe sollte im gesamten Färbevorgang eine Temperatur von 20-24 °C haben. 
  9. Der Erstefärbevorgang sollte ca 10 Minuten dauern. Der Stoff sollte dabei stets Unterwasser bleiben. Gelegentlich umrühren und dafür sorgen das sich keine ungewollten engen Falten bilden wo kein Farbstoff rankommt. 
  10. Den Stoff vorsichtig aus der Küppe holen und Tropfnass an der Luft blau werden lassen.
  11. Alle Folgefärbegänge sollten jetzt nicht länger als 1-2 Minuten dauern, aber immer wieder 15 Minuten an der Luft oxidieren lassen. Vorgang mindesten 4 mal wiederholen, je nach gewünschter Farbtiefe wiederholen. 
  12. Wenn der gewünschte Farbton erreicht ist den Stoff mit kalten Wasser gut ausspülen, bis das Spülwasser klar ist. Ziel ist es das Indigo welches sich nicht mit den Fasern verbunden hat auszuwaschen, ein sanftes Waschmittel kann dabei helfen. Nach ein paar Spülgängen können die Shibori Bindungen gelöst werden und das Kunstwerk bewundert werden. 
  13. Nun den Stoff nochmal in einem Bad mit etwas Essig spülen um den PH Wert zu normalisieren.
  14. Zuletzt den Stoff nochmal in der Waschmaschine waschen. Achtung dabei können sich Kunststoffteile der Waschmaschine leicht blau färben, das sollte aber normalerweise unproblematisch sein und nicht mehr abfärben. Um die Abriebfestigkeit zu erhöhen wir manchmal empfohlen eine Kochwäsche durchzuführen, sollte man aber je nach Stoff entscheiden.
  15. Fertig. 
Viel Spaß beim Ausprobieren.   
 
Hier gibt es mehr Info zu Aizome, Shibori und Indigo.

8 Antworten auf „Anleitung: Mit Indigo färben – Rezept für Baumwolle“

Hall Miteinander,

mit grossem Interesse bin ich auf euren Artikel gestossen, wir wollen morgen eine IndigoFärbung machen, leider habe ich unterschiedliche Anleitungen gefunden.
Zur Herstellung der Küpe habe ich Hydrosulfite und Calciumhydroxid bestellt , das wurde bei Faserhaus.com so empfohlen.
Kann ich das Calciumhydroxid einfach statt dem Natriumhydroxid verwenden wäre jetzt meine Frage…

Vielen Dank für eine zügige Antwort,

liebe grüsse

Eva

Hallo Eva,

mit Calciumhydroxid habe ich selber noch keine Erfahrung. Es sollte aber prinzipiell gehen.

Dabei solltest du beachten, dass es nicht so stark alkalisch ist und sich nicht so gut löst. Also vermutlich musst du mehr benutzen als vom Natriumhydroxid, am besten mit einem PH Messergerät messen oder mit PH Streifen. Optimal ist ein PH Wert zwischen 8-10. Je nachdem wie hoch er ist, kann der Stoff dann auch länger drin bleiben.

Auch habe ich gelesen, dass sich ein Absatz des Calciumhydroxid am Boden bilden kann, mit dem der Stoff dann möglichst nicht Berührung kommen sollte.

😉 Einfach ausprobieren, lass mich wissen wie es lief.

LG
Vincent

Hallo. Lässt sich als Natriumdithionit Ersatz der ‚Power Entfärber‘ von der Firma Heitmann verwenden. (> 30 % reduktive Bleichmittel (Natriumdithionit) ) .
LG Luis

Hallo Luis,

ja, das ist tatsächlich möglich. Du müsstest etwas die dreifache Menge vom Entfärber benutzen.

LG
Vincent

Hallo, hört sich wirklich spannend an. Wieviel Gramm Soff kann ich mit der Mengenangabe von deinem Rezept ungefähr färben? LG Monika

Hallo Monika,
das hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Kurz gesagt:
Mit 10 L Küppe kann man die Stoff Menge eines Bettbezug (ca 500g Stoff) gut handhaben und würde mit ca. 5 Farbgängen ein mittleres Blau erreichen.

Und hier ausführlich:
Die Größe des Behälters und damit die Menge an Küppe bestimmen wie viel Stoff man auf einmal färben kann. Allerdings hängt das auch davon ab, ob man den ganzen Stoff einheitlich oder nur ein Teil färben will. Will man alles einheitlich Färben, wäre das Verhältnis von Küppe zu Stoff großzügiger zu wählen. Denn man möchte genug Platz haben, so dass der Farbstoff überall rankommt. Dafür muss man den Stoff gut bewegen können, damit keine unerwünschten „Falten“ entstehen. Wenn man allerdings Shibori Muster macht, wo der Stoff kompakter ist, weil er z.B. gefaltet ist, dann kriegt man auch mehr auf einmal rein.

Die Menge an Stammküppe (Menge an Farbstoff) bestimmt hauptsächlich wie dunkel die Färbung wird. Aber auch die Menge an Stoff beeinflusst die Farbtiefe. Also wie viel Stoff steht wie viel Farbstoff zur Verfügung. Irgendwo gibt es ein guten Kompromiss an Stoff Menge, die frei liegt und Farbstoff aufnehmen kann (z.B. Stoff der verknotet ist und innen liegt kann kein Farbstoff aufnehmen), und der Farbstoffmenge.

Auch die Anzahl der Färbegänge spielt eine Rolle. Aber eben auch im Verhältnis zur Menge an Stammküppe. Viel Stammküppe bringt ein tieferes Blau, auch schon bei wenigen Farbgängen. Aber man kann mit weniger Stammküppe und mehr Färbegängen theoretisch ein ähnliches Ergebnis erzielen. Ich sage hier theoretisch, weil mehr Färbegänge wiederum einen gute „Pflege“ der Küppe erfordert. Jeder Farbgang erhöht auch den Sauerstoffgehalt in der Küppe, damit wird zunehmend mehr „aktives“ Indigo (reduziertes Indigo, also ohne Sauerstoff) inaktiv (also oxidiertes Indigo, mit Sauerstoff). Das inaktive Indigo verbindet sich einfach nicht mehr mit den Fasern. Gleichzeitig sinkt der PH Wert, so dass der aktive Farbstoff, der sich binden kann, sich nicht mehr so gut mit den Fasern verbindet. Da kann man gegensteuern indem man Nartiumdithionit hinzufügt um den Sauerstoffgehalt niedrig zu halten und mit Natriumhydroxid den PH Wert hoch zu halten (PH 8-10). Das geht auch nur zu einem gewissen Grad, da bereits inaktives Indigo sich nur langsam zu aktiven umwandelt bei niederigen Temperaturen. Deswegen kann es hilfreich sein die ganze Küppe für eine Stunde auf 50-55°C erhitzen, damit sich die Prozesse beschleunigen. Aber dann wieder abkühlen lassen auf ca 24°C bevor man wieder färbt, sonst geht alles zu schnell.

Mit jedem Farbgang sinkt die Menge an Farbstoff. Nach ein paar Gängen kommt dann zu wenig neuer Farbstoff im Verhältnis zum Farbton drauf, dass man einen sichtbaren Unterschied sieht. Allerdings kann man mit der gebrauchten Küppe immer noch ein zweites Stück färben, was dann einen helleren Ton hat. Vorausgesetzt man Pflegt die Küppe gut, kann man so fast den kompletten Farbstoff aufbrauchen und weitere Stücke mit helleren Tönen produzieren.

Ich hoffe meine etwas langatmige Antwort hilft das Ganze zu verstehen. Es ist schwierig eine genaue Aussage zu machen wegen der vielen Faktoren.
Man kann es bestenfalls als Richtwert für den Anfang sehen. Am besten ist es, es einfach auszuprobieren. 😉

LG
Vincent

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